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Mit extra viel Saugkraft

Sie ist ein schwimmender Riese, die größte ihrer Art auf der Welt: die „Cristobal Colon“. Das weltgrößte Saugbaggerschiff schafft in Cuxhaven mit Elbsand die Grundlage für die Erweiterung des Offshore-Hafens zum Umschlag von Windkraftanlagen. Die neue Industrie wird auf Sand gebaut. ähne graben sich in den Boden, 50 eiserne Zähne. Ein gewaltiger Sog reißt Sand und Wasser mit sich, durch zwei tiefschwarze Rohre. Ort dieses Spektakels: der Grund der Elbe, einige Kilometer vor Cuxhaven. Von Marc Wagner

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An der Oberfläche, am anderen Ende der Rohre, zeugt nicht mehr viel von dem Getose unter Wasser. Nur ein Rauschen in den Leitungen ist zu hören, gelegentlich schlagen Steinbrocken gegen die Rohrwände. Es klingt als würden ein paar Kiesel in der Waschmaschine geschleudert. Nur der modrig-faulige Schlickgeruch erinnert daran, dass gerade Tonnen von Elbsand aufgesaugt werden.

Auf der Brücke der „Cristobal Colon“ vibriert der Fußboden. Es beunruhigt aber keinen der drei Offiziere. Es ist nur Beweis, dass die zwei 6500 Kilowatt starken Pumpen ihren Dienst tun. „Geschwindigkeit 2 Knoten“, befiehlt Kapitän Marten de Vos. Lässig lehnt er am Kartentisch, in dickem Pullover und Gummischlappen. Die Brücke ist geräumig, eine Mischung aus Wohnzimmer und Raumschiff-Cockpit. De Vos’ Blick wandert über seine acht Flachbildschirme, von der elektronischen Seekarte kurz zum Radar, dann zur Baggerkontrolle. „Alles läuft prima“, freut er sich. Viel zu tun hat er nicht, die meiste Arbeit verrichtet jetzt die ausgefeilte Technik seines Schiffs.

Sein Schiff, die „Cristobal Colon“, ist das größte Saugbaggerschiff der Welt – 223 Meter lang und 41 Meter breit. Über zwei Rohrleitungen mit Schleppköpfen kann es loses Material aus bis zu 155 Meter Tiefe holen. Auf diese Weise kann das Schiff bis zu 46 000 Kubikmeter Sand in seinen offenen Laderaum aufnehmen. Das entspricht 2500 Lastwagenladungen. Stoßstange an Stoßstange wäre das ein Stau von 60 Kilometern Länge. „Im Grunde ist sie nur ein sehr großer Staubsauger“, scherzt Projektmanager Kobbe Peirs.

Nach nur knapp eineinhalb Stunden ist „die Wanne“ voll genug. „Wir können nur 25 000 Kubikmeter laden“, erläutert Peirs, „sonst würden wir auf Grund laufen.“ Die Rohre werden wieder eingeholt, die stählernen Seilwinden ächzen, als sie die Tonnenlast an Bord hieven. Nur Minuten später lässt der eisige Winter das Elbwasser an den Bohrköpfen zu Eiszapfen gefrieren. Ein Crewmitglied eilt mit Schrubber und Eimer an Deck und rückt dem Eis zu Leibe.

Auf der Brücke setzt derweil der 2. Maat Frank Sengers mit dem Steuerrad – einem Drehschalter nicht größer als ein Bierdeckel – Kurs auf Cuxhaven, auf das neue Industriegebiet zwischen Groden und Altenbruch. Wehmütig erinnert sich der Holländer an den ersten Einsatz der „Cristobal Colon“: „Im Oman haben wir einen komplett neuen Hafen aufgespült – da war es viel wärmer.“

Das Geschäft der maritimen Erdarbeiten ist ein globales, und die Firma Jan de Nul aus Belgien ist führend in diesem Geschäft. Eine Flotte von fast 70 Baggerschiffen ist für das Familienunternehmen rund um den Erdball im Einsatz. „Jeder Cent wird bei uns in neue Schiffe investiert“, erzählt Peirs stolz. Bestes Beispiel: die „Cristobal Colon“, die 50 Prozent größer ist als alle bisherigen Baggerschiffe.

Inzwischen ist schon das Spülfeld in Sichtweite. Langsam steuert der neue Rekordhalter auf die schwimmende Leitung zu, unterstützt von drei Schleppern aus Bremerhaven und einem Versorgungsschiff aus Glasgow. Das Dynamic Positioning System hält das Schiff zentimetergenau auf Position. Zur Sicherheit lässt der Kapitän an Steuerbord und Backbord Anker setzen. „Wenn der Computer einen Fehler macht“, erläutert er, „zerreißen wir die Schwimmleitung.“

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Die „Cristobal Colon“ ist angekoppelt. Durch die 3250 Meter lange Spülleitung werden Sand und Wasser mit Hochdruck auf die Spülfläche hinter dem Deich gepumpt. In drei Stunden wird der Laderaum leer sein und die „Cristobal Colon“ wird Nachschub vom Grund der Elbe holen – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Fast: Am Donnerstag mussten die Arbeiten wegen eines Dammbruchs vorerst unterbrochen werden. Wenn die „Cristobal Colon“ Cuxhaven wieder verlässt, werden 2,5 Millionen Kubikmeter Sand eine Fläche von 90 Hektar 4 Meter erhöht haben. Und so den Boden bereitet haben für die neue Offshore-Industrie.

 

Artikel vom 20.02.10 - 12:00 Uhr
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